Die Totschreiber

Die TotschreiberEs sah nach einer Erfolgsgeschichte aus, als ein einschlägiges deutsches Nachrichtenmagazin den Niedergang des deutschen Verteidigungsministers beschloss und dieser zehn Tage später seinen Rücktritt verkündete. Der beliebteste (und wahrscheinlich bekannteste) deutsche Minister erfuhr, was es heisst, die Medien gegen sich zu haben. Zehn Tage lang schrieben sich zahlreiche Tages- und Wochenzeitungen in Rage, bis sie hämisch den Rücktritt des Ministers verkündeten („Gutt so“).

Vom eigenen Erfolg überrascht, sann man nun in den Redaktionen über ein neues Projekt. Vielleicht könnte man einen ähnlichen Effekt über die deutschen Grenzen hinaus provozieren? Das Rezept: Ein Prominenter, den man in ganz Europa kennt, zu dem die deutschen Leser einen engen Bezug haben, 14 Tage Aufmerksamkeit, ein bisschen Panik, genug Öl ins Feuer und schon braut sich der Volkszorn zusammen. Klingt eigentlich ganz einfach.
Der Prominente war schnell ausgemacht: Der Euro sollte es sein. Jeder kennt ihn, gemocht hat ihn die breite Masse noch nie, ein leichtes Spiel also, dachte man sich in der Nachrichtenredaktion und verfasste eine neue Titelseite: „Plötzlich und erwartet: Nachruf auf eine gemeinsame Währung“. Die Währungsunion wird zur „grössten Gefahr für die Zukunft Europas“. Was die Verfasser jedoch nicht bedenken: Der Euro kümmert sich nicht um den medialen Druck. Selbst wenn er ihn kümmern würde, er kann nicht zurücktreten.

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„nebenan wohnt frau müller in ihrem zimmer aus seide, das aussieht wie papier und es knistert dort ab und zu.“

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