Berluscomania

Während Guttenberg in Reue zurückgetreten ist, empfiehlt sich weiter südlich in Europa ein 75jähriger Milliardär als Italiener der Italiener. Die Berluscomania in Italien hat selbigem einen mehrfachen Wahlsieg beschert. Kein Zweifel: Italien findet sich wieder im ehemaligen Staubsaugervertreter, Nachtclubsänger und heutigen Wirtschaftsboss und Spitzenpolitiker. Doch inzwischen dreht sich das Blatt. Italien hat bemerkt, in welch imagemässige Schieflage ihr Lands- und Strahlemann sie gebracht hat. Das Rad wurde überdreht und das Wohlwollen der Azzurri überstrapaziert. Heute verteufeln viele ihren Ministerpräsidenten. Bunga Bunga sind nicht sie. Schöne Frauen ja, amoreske Italianos auch, aber Gruppensex auf Staatskosten? Sie können sich nicht mehr identifizieren und wollen sich gegenüber der ausländischen Öffentlichkeit auch nicht erklären müssen. Proteste folgen. Italien hat bemerkt, welch zerstörerische Kraft in einer Politik der geduldeten Selbstbedienung am Staat und Missachtung ziviler Grundregeln und Gesetze liegt. Die ohne Zweifel grossen Verdienste Berlusconis (Stabilität und relative Einigkeit im Land) geraten in Vergessenheit. Der Ministerpräsident unternimmt angesichts des 150jährigen Jubiläums der Einheit Italiens wenig dagegen. Imagefaktor: Noch ist es ein Inlandsproblem. Italien wird nach wie vor von den meisten Europäern geliebt, inzwischen aber auch belächelt. Schwer zu beheben. Aber machbar.

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